Stenographie


Stenographie

Stenographīe (grch., »Engschrift«) Kurzschrift oder Schnellschrift, die mit möglichster Ersparnis an Schriftzügen, daher mit großer Raum- und Zeitersparnis bewirkte lesbare Darstellung des Gedachten und Gehörten, Laut- oder Buchstabenschrift, die entweder aus den flüchtigsten Bestandteilen der Kurrent- und Kursivschrift (graphische Systeme) oder aus den einfachsten geometr. Zeichen [Punkt, Kreis, Kreisbogen, gerader Strich] (geometr. Systeme) besteht, unter Anwendung gewisser Abkürzungszeichen (Sigel) für oft wiederkehrende Silben und Wörter. Die S., schon den Griechen und Römern (Tironische Noten) bekannt, im Mittelalter fast vergessen, fand zuerst (seit 16. Jahrh.) wieder in England ihre Pflege für die Aufzeichnung der parlamentarischen Verhandlungen (spätere Systeme von Taylor 1786, Pitman 1837); in Deutschland ward die S. nach den Versuchen von Mosengeil (1796), Horstig, Leichtlen u.a. zuerst von Gabelsberger (s.d.) selbständig begründet. Sein System, in zahlreichen Vereinen, bes. durch den »Deutschen Stenographenbund Gabelsberger« (seit 1868), gepflegt und vervollkommnet, wurde im Deutschen Reichstag, bei fast allen Landtagen Deutschlands und Österreichs, sowie in Übertragung auf die betreffenden Sprachen in Ungarn, Griechenland, Dänemark, Finnland etc. verwendet und ist auch sonst, als Geschäfts- und Verkehrsschrift, am weitesten verbreitet. Von den nach ihm auftauchenden Systemen ist das von Wilhelm Stolze (s.d.) am verbreitetsten gewesen; dasselbe, 1872 durch Franz Stolze umgearbeitet (Neustolze), wird beim preuß. Landtag, beim Deutschen Reichstag, beim siebenbürg. Landtag und, übertragen auf die ungar. Sprache, beim Reichstag in Budapest angewendet, ist aber seit 1897 fast vollständig verdrängt durch das System Stolze-Schrey, das, eine geringe Abänderung des Systems Schrey darstellend, unter Beseitigung der wesentlichsten Grundlagen des Systems Stolze (Dreizeiligkeit, Dreistufigkeit) sich dem System Gabelsberger sehr nähert. Außerdem haben die Systeme von Arends (s.d.), abgeändert von Roller, von Faulmann, von Schrey (s.d.), Stolzes und Gabelsbergers System vereinigend, sowie die Stenotachygraphie (s.d.) gewisse theoretische Bedeutung erlangt, jedoch ebensowenig wie die Systeme von Brauns, von Kunowski (Nationalstenographie), Scheithauer u.a. größere Verbreitung gefunden. Etwa 500 Lehrbücher zu den verschiedenen deutschen Systemen; über die Geschichte der S. vgl. Zeibig (1863; 1878), Moser (1889) und Faulmann (1895).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

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